Esther Perbandt. Ein Bericht zur Show

Es gibt so viel zu erzählen über Esther Perbandt und ihre Show am vergangenen Dienstag. Von der Inszenierung, über die Mode, die Gäste, die Stimmung bis hin zur Location. Bei Esther Perbandt ist alles ein bisschen anders, als auf den anderen Schauen.

Fangen wir bei den Gästen an. Wenn man sich Fotos der großen Modeschauen in Paris, Mailand oder London anschaut, dann bekommt man den Eindruck, dass die Gäste sich dem Stil der Show anpassen. Bei Gucci wird Gucci getragen, bei Chanel eben Chanel. Wenn man kein Chanel besitzt, dann gibt man sich Mühe, den Stil von Chanel mit anderen Klamotten zu bauen. Das ist auf der Berlin Fashionweek eher nicht die Regel. Jeder kommt, wie ihm oder ihr gerade beliebt. Der Stil des Designhauses spielt überhaupt keine Rolle. Bei Steinrohner, die futuristische Avantgarde machen, kommen Modemädchen in Spitzen-Babydoll Kleidern und Typen mit goldenen Pailetten-Hosen. Der reinste Auflauf von Kitsch, bei einem Label, dass sich durch seinen künstlerischen Anspruch kennzeichnet. Kitsch kann auch Kunst sein aber was ich sagen will ist: Wer sich der Show entsprechend kleidet, zeigt, dass er die Ausdrucksform des Designers verstanden hat.

Die Show von Esther Perbandt entspricht vielmehr dem Bild, dass man vom Trubel bei einer Modenschau hat. Ihre Gäste passen zu ihrem Stil. Nun, es wird auch daran liegen, dass Esther hauptsächlich mit Schwarz arbeitet und Berlin sich ohnehin gern in Schwarz zeigt. Aber Esther Perbandt verkörpert nun einmal vielmehr den Stil der Stadt, als andere Designer. Deswegen kommen die Gäste vielleicht bei ihr eher in schwarz und lassen die lila Glitzersocken im Schrank. Esther Perbandt ist eine waschechte Berliner Göre. Sie ist dieser Stadt entsprungen. Sie hat zwar auch in Moskau und Paris gelebt, doch sie kehrte nach Berlin zurück und gründete 2004 hier ihr Label. Gäbe es auf der Fashionweek mehr Designer wie sie und weniger solche, die Mode für Münchener Biergärten machen (Riani, Lena Hoschek), dann wäre die Berlin Fashionweek vielleicht nicht so verrufen. Aber zurück zu den Gästen: Man merkte, dass auf der Veranstaltung ferner viele Kunden von Esther waren. Es war ein stimmiges ganzes.

Die Show der Designerin hat zum zweiten Mal in der Volksbühne Berlin stattgefunden. Sie hat ihr Atelier, an welchem sich auch ihr Store befindet, buchstäblich gleich um die Ecke, entwirft Kostüme für die Volksbühne und ist eine Freundin des Hauses. Auch Ihre Modelle sind überwiegend mit ihr befreundet. Sie arbeitet häufig mit den selben Modellen zusammen. Sowie Tim Burton Johnny Depp hat, so hat Esther ihre Lieblingsmodels. Die Stimmung auf der Aftershow Party war dem entsprechend Familiär. Es war nicht das übliche bescheiden an Drinks nuckeln, Smalltalk halten und sich die Leute anschauen, sondern eine viel intimere Veranstaltung.

Esther Perbandts Models sind derweil keine gesichtslosen, gleichgemachten und in Klamotten geworfenen Geister. Jedes einzelne ihrer Modelle ist Markant, hat seine Eigenart, hat wenig mit branchentypischen Laufsteg-Models zu tun, bis auf die Größe. Was Aussehen und Alter anbelangt, sind ihre Models wohl die am meisten unangepassten auf der Berlin Fashionweek.

Zur Location: Esther weiß das Theater, welches ihr zur Verfügung steht, sehr gut zu nutzen. Von einer normalen Runwayshow kann keine Rede sein. Ich sagte ja bereits, bei ihr ist alles ein bisschen anders. Es handelte sich eher um eine abstrakte, von Live-Musik begleitete Inszenierung. Es drehte sich nicht um Business, sondern um Kunst. Es drehte sich nicht um erzwungene Jugend und Schönheit, sondern um Individualität, Selbstbewusstsein. 

Bei der Kollektion ging es vor allen Dingen um die Verbindung von Casualness und Formalität. Esthers Steckenpferd ist die Neuinterpretation des klassischen Hosen-Anzuges. Sie dekonstruiert ihn, formt ihn um, macht dieses Symbol des Konservativismus zum Spielball Ihrer unisex Entwürfe. Einige ihrer Looks erinnerten derweil, mitunter durch die angebrachten Bommeln, an aus Märchen entsprungene Soldaten. Insgesamt war der Stil der Kollektion bodenbehaftet. Als wäre sie für Menschen gemacht, die Stärke ausdrücken wollen und durch ihre Kleidung aufgefangen werden.

Ein unter allen Aspekten gelungener und harmonischer Abend. Der beste, den ich in diesem Jahr auf der Fashionweek besucht habe.

Die Website von Esther Perbandt findet ihr hier.

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