Kunst: Sehen und Gesehenwerden im me Collectors Room

Ich habe letzte Woche meine beste Freundin in Berlin besucht und wir haben es uns richtig gut gehen lassen. Lange gefrühstückt, Second Hand geshopt, Nächte durchgequatscht, im Sisyphos getanzt und noch viel mehr Schabernack getrieben. Mitunter haben wir uns zwei Ausstellungen im me Collectors Room angeguckt, von denen ich euch hier kurz erzählen möchte, da sich ein Besuch dort aus mehreren Gründen lohnt.

Erstens ist die Location mit ihrem modernen Design eine wahre Augenweide, in der man auch einen lockeren Kaffee trinken gehen kann. Zweitens ist die Aufmachung der aktuellen Ausstellung „Private Exposure“, welche in der ersten Etage zu sehen ist, sehr gut zugänglich und verständlich. Genau so, wie ich mir eine Ausstellung als nichts wissende Besucherin wünsche. Die Zusammenstellung aus 22 Werken verschiedener Künstler will mit ihrer Thematik auf die Architektur des Ausstellungsortes aufmerksam machen. Dabei dreht es sich um das Sehen und Gesehenwerden, was sowohl das offen konstruierte Innenraumdesign des me Collectors Room, als auch seine mit Glas überzogene Fassade zulassen. Was mich positiv überrascht hat waren die kleinen Texte, die begleitend zu jedem Werk der Ausstellung verfasst wurden. Sie enthalten Informationen zum jeweiligen Künstler und ausgestellten Werk, was in Kunstausstellungen leider alles andere als selbstverständlich ist. Umso mehr hat es mich gefreut, dass das Thema der Ausstellung hierdurch sehr gut zugänglich gemacht wird.

Im Ausstellungssaal des Erdgeschosses ist derzeit eine Retrospektive der Fotokünstlerin Cindy Sherman zu sehen, welche schon seit den 70er Jahren für ihre Fotografien bekannt ist. Die Künstlerin inszeniert gesellschaftskritische Bilder. Bekannt wurde sie etwa mit einer Reihe von schwarz-weiß Fotografien, auf welchen sie stereotype Frauenfiguren darstellt. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft ist seit jeher einer der thematischen Schwerpunkte in ihrer Arbeit.

Cindy Sherman ist sowohl Subjekt als auch Objekt ihrer Kunst. Sowohl Fotografin als auch Model. Sie ist eine Meisterin der Maskerade und schlüpft auf jedem ihrer Bilder in verschiedene Rollen, was sie zu einer der wichtigsten Künstlerinnen der inszenierten Fotografie gemacht hat. Die Welt schreibt, dass sie durch diese Art der Inszenierung die Tradition der künstlerischen Selbstporträtierung neu definiert hat. Jedoch wird auf Shermans Homepage der Rollencharakter betont, den sie auf ihren Bildern einnimmt, weswegen sie nicht als Selbstporträts betrachtet werden sollen.

Schon in ihrer Jugend hat sich Sherman einen Spaß daraus gemacht sicht zu verkleiden. Dabei fand sie ihre Maskerade besonders gelungen, wenn ihre Freunde sie auf Parties nicht erkannt haben. In ihrer Kunst sind ihre aufwändigen, oft düsteren Kostümierungen Mittel ihrer Kritik. Etwa wenn sie in ihrer Reihe „Hollywood/Hampton Types“ (2000-2002) die übertriebene Nacheiferung des in den Medien propagierten Schönheitsideals kritisiert, indem sie bis ins groteske überschminkte und völlig plastisch aussehende Schauspielerinnen abbildet. Cindy Shermans wichtigsten Werke sind bis zum 28. August 2016 im me Collectors Room zu sehen. Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstanden.

Mehr Informationen findet ihr auf den Seiten des me Collectors Room

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