Steinrohner zwischen Kunst und Streetwear

Die Show von Steinrohner hat vorgestern, am 3. Tag der Fashionweek stattgefunden. Ich hatte den Eindruck, dass bei dem Nachwuchslabel viel mehr Blogger unterwegs waren als bei SADAK am Dienstag. Vor dem Eingang des Me Collectors Room in Berlin Mitte standen drei Fotografinnen, die für verschiedene Seiten Streetstyles gecovert haben. Auch ich wurde fotografiert, ich weiß allerdings nicht, ob die Fotos letztendlich verwendet werden. Auf dem Weg zur Veranstaltung saß ich in der U-Bahn, umgeben von ganz normalen Menschen. Die einzige Person, die fashionable schien, stieg mit mir am Oranienburger Tor aus und ich habe bereits vermutet, dass auch sie zu Steinrohner geht. Wenn man es nicht besser wusste, dann erkannte man nicht wirklich, dass in Berlin Fashionweek war. Wahrscheinlich ist die Stadt zu groß und das Publikum verläuft sich zwischen den ganzen Veranstaltungen. Umso lustiger ist der Anblick, wenn man an den Event-Locations eintrifft und vor lauter wahnsinnig gut gekleideten Menschen und einigen misslungenen Looks garnicht weiß, wo man zuerst hingucken soll.
Die Präsentation der Herbst/Winter Kollektion 2016 von Steinrohner erfolgte nicht mit einer Runwayshow, sondern inform einer Installation. Die Models standen in den Klamotten auf weißen Podesten. Wie bei einer Ausstellung konnten die Besucher durch den Raum laufen und die Kollektion, bzw. Edition (Steinrohner verwendet anstatt Kollektion den Begriff Edition) in Ruhe betrachten. Es war ziemlich voll und die Leute aben wie verrückt fotografiert. Ich hatte den Eindruck, dass die Menschen garnicht auf der Veranstaltung präsent sondern in Gedanken bei der Darstellung des ganzen fürs Internet waren, dass die Betrachtung der Mode nicht mit den Augen sondern durch die Linsen ihrer Smartphones und Kameras geschah. Auch ich kann mich davon nicht ausnehmen, denn auch ich habe mich darauf konzentriert trotz der vielen Besucher gute Shots für den Blog zu kriegen. Die Models haben derweil einen sehr guten Job gemacht. Sie haben sich zaghaft und langsam bewegt und den Blickkontakt zu jeder Kamera gesucht.


Insbesondere das Model ganz oben links im Bild hat eine wahnsinns-Performance hingelegt. Von weitem habe ich sie als etwas zu nervös empfunden, als würde sie sich zu viel bewegen. Doch als ich sie fotografierte und auf die Bildvorschau der Kamera blickte habe ich gemerkt, was sie tut. Mit jedem Foto schien sie erneut Kraft zu schöpfen um mit einem unglaublich stechenden Blick in die verschiedenen Kameras zu gucken. Und diesen Blick hat sie auf jedem einzelnen der Bilder hinbekommen, die ich von ihr geschossen habe. Hier hat jemand sein Metier verstanden.

Steinrohner ist ein junges, 2013 gegründetes Label, hinter welchem die Designerinnen Inna Stein und Caroline Rohner stecken. Ihre Mode zeichnet sich mitunter durch die außergewöhnlichen und kontrastreichen Prints aus, für die sie im vorhinein monatelange Recherche betreiben. Dabei beziehen sie ihre Inspiration in jeder Saison aus verschiedenen Orten. Diesmal waren es die Weiten schneebedekter Landschaften in der russischen und schweizerischen Heimat der beiden, die sie inspiriert haben. Demnach heißt die Herbst/Winter Edition 2016 „Eternal Ice“. Steinrohner versuchen stets einen künstlerischen, avangardistischen Aspekt in ihre Kleidung einzubringen, ohne dass ihr Design untragbar wird. Farblich bewegte sich das Duo diesmal zwischen blau-Tönen, grau, schwarz, silber-metallic und transparent.

Was Steinrohner von anderen deutschen Labels unterscheidet sind nicht nur die außergewöhnlichen Prints und mutigen Schnitte, es sind vor allem die Details, welche ihre Mode zu etwas besonderem machen. Diesmal sind es etwa die metallisch schimmernden Plastik-Elemente auf der Kleidung, welche sich durch die gesamte Edition ziehen. Ihren avangardistischen Look ergänzen Steinrohner mit lässigen Sneakers, was für mich ein Zeugnis unseres Zeitgeistes ist, denn Sneaker werden mittlerweile zu allem getragen. Ob klassisch im sportlichen Look oder zu Anzügen und Kleidern, Sneakers sind in den letzten Jahren zu wahren all-around-Teilen mutiert.

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