Stilportrait: Charlotte

„Wir wollten mit elf schon Dr. Martens tragen, aber unsere Füße waren zu klein.“

Charlotte ist eine aufmerksame, tanzaffine und Himbeeren liebende Psychiaterin, die eine Stilgeschichte hat, weswegen es sehr einfach war mit ihr ins Gespräch über Mode einzusteigen. Die hat sie nämlich schon in jungen Jahren als Mittel der Rebellion in ihrem Elternhaus entdeckt, wo sie auf Elitarismus und Struktur mit knalligen Farben und Hippiekleidung antwortete. Batic, Cort und Zwiebellook war Charlottes Standardprogramm als Teenie.

An diese Zeit erinnert sie sich mit Freude aber auch mit einer Portion Selbstironie. Zwischendurch muss sie selber lachen, wenn sie daran denkt was sie damals so trug. Trotzdem erzählt sie ein bisschen stolz, dass sie und ihre beste Freundin, die sie auf den Hippietrip gebracht hat, schon mit 12 Dr. Martens getragen haben. Ansonsten hat sie jedoch sehr wenig rebelliert und war überhaupt eher schüchtern. Während Charlotte von Ihrer Schüchternheit spricht setzt sie eine konzentrierte Miene auf, um die angemessenen Worte dafür zu finden, was Kleidung auf ihre persönliche Entwicklung für einen Einfluss hatte.
„Diese extremen, diese extrovertierten Outfits haben mir schon sehr geholfen. Auch wenn das erstmal ein Gegensatz war. Ich stand im Fokus und wurde von allen angeschaut, doch das war völlig okay, weil ich mich in der Kleidung wohl gefühlt habe. Ich habe zu Beginn trotzdem nicht so viel gesprochen, aber allein, dass ich gelernt habe mit der Aufmerksamkeit der anderen umzugehen, hat mir geholfen Stück für Stück aus mir heraus zu kommen.“

Nach ihrer Hippiephase hatte Charlotte Bock auf Sexyness und Provokation. Diese Phase hatte ich selbst auch. Je nuttiger desto besser fand ich damals, ich war also sehr amüsiert als sie mir von einem Outfit erzählte, welches aus giftgrünen Riesenhighheels mit Plateau, Hotpants und Bauchfrei bestand. Damit hat sie übrigens versucht in den Vatikan reinzukommen, was selbstverständlich nicht funktioniert hat.

„Spätestens ab 16 hab ich das Männerding sehr hart forciert und bin sicherlich auch über Grenzen hinaus geschossen, die man in dem Alter nicht unbedingt überschreiten sollte. Das habe ich damals mit den Klamotten mitforciert und sehr gezielt gemacht. In dem Moment war ich sehr überzeugt von dem was ich tat, jetzt wäre das jedoch nichts mehr für mich.“

Die Härte des Medizinstudiums hat ihre modische Ausdruckskraft dann erst einmal in die Knie gezwungen. Sie sah „ein bisschen langweilig“ aus, wie sie sagt, bis sie der Indierock und Indipop 2012 zu Typen brachte, die Skinnyjeans und V-Ausschnitte trugen. „Da kam das Highwaistding für mich das erste Mal.“ Dazu muss ich bemerken, dass Charlotte den perfekten Body für Highwaist-Jeans hat. Ihre sehr enge Taille öffnet sich zu einem wohlgeformten Arsch, der in jeder Jeans, zumal Highwaist, zum anbeißen aussieht.

Die Musik und die Leute drum herum brachten sie zu Topmen, Topshop und Cheap Monday. Und obwohl diese Zeit den Anstoß für das gegeben hat, was sie mitunter auch heute gerne trägt, zögert Charlotte kurz als sie von ihren Indieanfängen erzählt. „Ich fand die Hosen extrem gut. mir hat der Stil der Männer sehr gut gefallen, er war basic, aber ansprechend. Trotzdem habe ich mich zu Beginn

schwer mit dem basic-Ding getan und konnte mich nicht direkt dazu durchringen, sofort einfach nur Skinny-Jeans und T-Shirt anzuziehen.“ Sie blieb also ersteinmal bei knalligen Farben und trägt heute noch gern Farbe und Muster. „So ganz ganz zum Basic-Stil werde ich nie kommen denke ich. Vom Gefühl her würde ich optisch nie untergehen wollen. Ich glaub mein Ziel wird immer bleiben, dass man mich sieht.“

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